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soz:mag #4

soz:mag - Das Soziologie Magazin
Basel, Bern, Genf, Zürich: Verein virtuelle SoziologInnen
Ausgabe Nr. 4 (November 2003)



Minderwertig und fehl am Platz

Wenn frau sich das Gymi gar nicht zutraut

Noch immer hängt der Entscheid, welchen Berufs- und Bildungsweg jemand einschlägt, stark von der jeweiligen Schicht- und Geschlechtszugehörigkeit ab. Von Bedeutung ist dabei nicht nur das Verfügen über die notwendigen ökonomischen und kulturellen Ressourcen, sondern auch Faktoren wie die eigene Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung. Minderwertigkeitsgefühle erweisen sich gerade für Frauen aus der Unterschicht immer wieder als Barriere für einen sozialen Aufstieg - und sind dabei nicht so subjektiv, wie sie erscheinen mögen.

Von Nicole Burgermeister
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Männer zwischen Aufbruch und Absturz

Ein Ausflug in die Sinnwelt der Schweizer Männerbewegung

Männlichkeit hat Konjunktur. Mit dem Wandel der Geschlechterverhältnisse verliert die Männlichkeit zusehends ihren Status einer fraglosen Gegebenheit. Der Mann und sein nunmehr explizit als geschlechtlich verstandenes Sein und Handeln werden sowohl im wissenschaftlichen, wie auch im allgemeinen öffentlichen Diskurs verstärkt thematisiert - und problematisiert: Wann ist der Mann ein Mann? Der folgende Beitrag lädt ein zur Spritztour durch die Sinnwelt desjenigen gesellschaftlichen Mikrokosmos, in dem "die Männlichkeit" jegliche Themenkonkurrenz ausgeschaltet zu haben scheint: das Feld der so genannten Männerbewegung. Wie steht es dort um den Mann? Wie wird Mannsein dort inszeniert, wo es darum gehen soll, jenseits überlieferter Vorstellungen eine neue, bessere Männlichkeit zu (er)finden?



"Is politics possible when you have no power?"

Saskia Sassen lehrt Soziologie an der Universität Chicago und ist Gastprofessorin an der London School of Economics. Ihre Bücher - etwa die Bestseller "Guests and Aliens" (1999) oder "The Global City" (Neuauflage 2001) - sind in mehr als zehn Sprachen übersetzt worden. Zurzeit stellt sie ihr neustes Werk fertig, das noch dieses Jahr erscheinen soll: "Denationalization: Economy and Polity in a Global Digital Age". Im Interview mit soz:mag erhellt Saskia Sassen ihr Globalisierungskonzept und beschreibt ihr Selbstverständnis als Forscherin und multiples Subjekt. Ein Gespräch über die aktuellen Projekte der USA, die Politik der Machtlosen, Identitätsbildung im "global age" und die Bedeutung "aktivierender" Soziologie.

Interview: Muriel Degen, Denis Hänzi und Marc Höglinger
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Kinderlosigkeit in der Schweiz

Bildung und Erwerbsorientierung von Frauen im Prozess der Familienbildung

In der Schweiz zeichnet sich in den letzten Jahren als besonderes Merkmal des allgemeinen Geburtenrückganges ein zunehmender Trend in Richtung Kinderlosigkeit ab. Auch im öffentlichen Diskurs wird diesem Teilaspekt der demografischen Entwicklung zunehmend Beachtung geschenkt. Allerdings wurde bis anhin das Phänomen der Kinderlosigkeit auf empirischer Ebene in der sozialwissenschaftlichen Forschung eher selten behandelt. Demgegenüber ist innerhalb der familiensoziologischen Forschung in der Schweiz eine Vielfalt von Untersuchungen über den Geburtenrückgang zu finden, die im Allgemeinen einen negativen Einfluss von Bildung und Erwerbsorientierung der Frauen auf deren generatives Verhalten belegen. Trotz diesen Befunden bleibt unklar, inwieweit Bildung und Erwerbsorientierung, als persönliche Ressourcen der Frauen, hinsichtlich deren frei gewählten Kinderlosigkeit von Bedeutung sind. Meine wichtigsten empirischen Erklärungen werden nachfolgend aufgezeigt.

Von Maurizia Masia
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Das Selbst im Assessment Center

Hürdenlauf für das Management

Immer mehr Unternehmen führen im Rahmen ihrer Personalarbeit sogenannte Assessment Center durch. In diesen mehrtägigen Klausuren, werden mehrere Kandidatinnen und Kandidaten gleichzeitig von mehreren Beobachtenden in verschiedenen Übungen beurteilt. In Anlehnung an Michel Foucault und Nikolas Rose beschreibt unser Artikel den spezifischen Umgang des Menschen mit sich selbst, der das Assessment Center zugleich fordert wie ermöglicht und verweist auf die damit verbundenen politischen Konzepte und Ideologien.

Von Gaudenz Steinlin und Markus Studer
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My home is my office

Telearbeit, eine Folge der modernen individualisierten Gesellschaft?

Telearbeit, das durch neue Kommunikation- und Informationstechnologien ermöglichte ortsunabhängige Arbeiten, ist fester Bestandteil aller berufsbezogenen Zukunftsszenarien. Obwohl sich die Telearbeit bis jetzt nur zögerlich entwickelt hat, werden mit ihr von allen Seiten grosse Hoffnungen verknüpft: Grössere Effizienz, mehr Freiheit für Arbeitnehmer und neue Verknüpfungsmöglichkeiten von Familie und Beruf. Im vorliegenden Artikel wird die Entwicklung der Telearbeit als Folge der Individualisierung gedeutet. Zudem wird auf die negativen Seiten der "neuen Freiheit" eingegangen: Entwurzelung und Desorientierung, soziale Isolation und neue Formen der Kontrolle.

Von Stephan Philippi
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Krise im Salon

Rekonstruktion von Bewährungsstrategien junger Coiffeure

"Also ich glaube, ich habe extrem gelernt, auf die Leute einzugehen, ich habe ein Einfühlungsvermögen. Und das ist halt dann das, was dem Coiffeur eine grosse Stammkundschaft bringt oder einen grossen Kreis, der für dich schwärmt, weil du diese Leute spürst und denen das machst, was sie gern haben." So umschreibt Antonio Camponovo, ›Hairdesigner‹ und ›Colorationsspezialist‹, sein Erfolgsrezept. Anhand zweier Fallbeispiele befasst sich dieser Artikel mit der Frage, wie sich junge selbständige Coiffeure in ihrem Beruf bewähren und welche Bedeutung dem Beruf zur Lösung des Bewährungsproblems, das sich uns allen stellt, beikommt.

Von Andrea Hungerbühler
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VJ's zwischen Rebellion und Anpassung

Professionalisierung und Selbstverständnis in einem neu entstehenden Beruf

Videojournalismus ist ein junges Phänomen in der Schweiz - es existiert erst seit dem Aufkommen privater Sendeanstalten im deregulierten Medienmarkt. Jenseits staatlicher Lenkung tauchte hier ein neues Tätigkeitsfeld auf, welches auf den herkömmlichen Beruf des TV-Journalisten und das Schweizer Mediensystem als Ganzes nicht zu unterschätzende Auswirkungen hatte. Im vorliegenden Artikel wird die wechselseitige Beeinflussung von privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern beleuchtet. Das Selbstbild der Videojournalisten steht dabei im Zentrum des Interesses: Wie gestaltet sich die Situation dieser neuen Berufsgruppe? Sind Videojournalisten überhaupt als Berufsgruppe zu verstehen? Wie definieren sie sich selbst?

Von Gunnar Gilgen
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"Ich schwöre bei Apollon dem Arzte ..."

Zur Bedeutung des hippokratischen Eides für die Professionalisierung des Ärztestandes

Dass der Eid des Hippokrates vor allem das Patientenwohl schützen soll, ist eine weit verbreitete Meinung. Kaum bekannt sind die Passagen, welche weniger das Wohl der Patienten als das Wohl der Ärzte schützen und die Zahl der Konkurrenten klein halten sollen. Verbreitet ist der Irrtum, dass Ärzte den hippokratischen Eid effektiv leisten und er demnach für die Tätigkeit der Ärzte verbindlich sei. Von der Feststellung ausgehend, dass der Eid des Hippokrates tatsächlich standespolitische Passagen enthält, jedoch längst nicht alle Ärzte ihn schwören, soll seine Bedeutung für die Professionalisierung der antiken und mittelalterlich-christlichen Ärzteschaft erörtert werden. Dabei drängt sich unweigerlich die Frage auf, in welcher Weise der Eid heute noch als Mittel zur Legitimation der ärztlichen Autonomie wirkt.

Von Lukas Neuhaus
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"...in unseren Herzen wirst du ewig weiterleben."

Tod und Sterben im Spiegel von Todesanzeigen

Die Entzauberung der Welt, die grossen Fortschritte der Medizin, sowie die zunehmende Individualisierung veränderten in den letzten hundert Jahren das Verhältnis zum Sterben und Tod in der westlichen Gesellschaft. Vor rund hundert Jahren waren die Menschen mit dem Tod vertraut und begegneten ihm mit traditionellen und religiösen Riten. Im Laufe der Zeit ging diese Vertrautheit mehr und mehr verloren, so dass zunehmend eine Hilflosigkeit angesichts des Todes beobachtbar ist.
Dieser kulturelle und gesellschaftliche Wandel kann mit einer Analyse von Todesanzeigen der letzten 100 Jahren nachgezeichnet werden. Im Rahmen unserer Forschungsarbeit untersuchten wir 660 Todesanzeigen der NZZ und dem Tagblatt der Stadt Zürich.

Von Barbara Cahn-Wegmann und Daniel Cahn
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Die Angst vor dem Verbrechen

Das Konzept der "Kriminalitätsfurcht" und verschiedene Erklärungsansätze

Der Begriff der Kriminalitätsfurcht hat eine verschwommene Bedeutung. Kriminalitätsfurcht kann eine Reaktion auf einen Wohnungseinbruch, ein Raubdelikt oder eine Vergewaltigung sein, aber auch einfach nur die Angst vor der prinzipiellem Möglichkeit, selbst Opfer zu werden. Sie ist so unterschiedlich in ihrer Ausprägung wie die Delikte selber. Weil es nur wenige oder keine allgemein akzeptierte Definition der Kriminalitätsfurcht gibt, kann davon ausgegangen werden, dass die Kriminalitätsfurcht kein fixer Charakterzug ist, den manche Personen haben und andere nicht. Vielmehr ist sie als vorübergehend und situationsbezogen zu verstehen. Mit anderen Worten, wir alle tauchen in einem gewissen Sinne ein in die Schatten der Furcht und aus ihnen wieder heraus, über das ganze Leben hinweg, beeinflusst von unseren eigenen Erfahrungen und unseren räumlich-zeitlichen und sozialen Situationen.

Von Wolfgang Galsterer
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Das WEF im Wandel der Zeit

Ein einstmals überschaubarer Managerkongress wird zum kontroversen Wirtschaftsgipfel

Seit Ende der 90er Jahren werden die Jahrestreffen des World Economic Forum von Protestaktionen und sogar Krawallen begleitet - dabei drängt sich die Frage auf, warum "Davos" erst nach rund 30 Jahren seines Bestehens kritisiert wird. Im Folgenden soll aufgezeigt werden, dass das Forum einst eine geschätzte Konsultationsplattform darstellte. Mit dem Einzug der Globalisierungsdebatte gerät das World Economic Forum jedoch in ein Dilemma zwischen seiner Organisationsstruktur und seinem selbst gestellten Anspruch, einen Beitrag zur Verbesserung der Welt zu leisten.



Das vermeintlich von Geschichte und Gesellschaft befreite Jetzt

100 Jahre Theodor W. Adorno - Im Sinne der Aktualität seiner Gesellschaftstheorie

Am 11. September 2003 wäre Theodor W. Adorno hundert Jahre alt geworden. Dies veranlasst zu einer Darstellung seines gesellschaftstheoretischen Ansatzes. Dieser Artikel möchte vorerst den Zusammenhang zwischen Adornos Vernunftkritik und seiner Vorstellung von Kunst darlegen, um dann, ausgehend von diesen theoretischen Überlegungen, seine Gesellschafts- und Wissenschaftskritik verständlich zu machen. Grundlegendes Motiv der Gründer der Kritischen Theorie war, sowohl einem sozialwissenschaftlich forschenden als auch einem sozialphilosophisch reflektierten Anspruch gerecht zu werden, um damit die spätkapitalistische Gesellschaft zu verstehen und sich kritisch darüber verständigen zu können. Wissenschaft wird dabei als immanent politisch aufgefasst und muss zur gesellschaftlichen Praxis kritisch Stellung beziehen, damit auf eine menschliche Einrichtung der Gesellschaft hingearbeitet werden kann.



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Von: soz:mag
27.04.05 11:05


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