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soz:mag - Das Soziologie Magazin
Basel, Bern, Genf, Zürich: Verein virtuelle SoziologInnen
Ausgabe Nr. 6 (Dezember 2004)
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Der moderne Individualismus als Wegbereiter neuer Beschäftigungsformen
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Vor allem ein Merkmal kennzeichnet die neoliberalen Veränderungen in unserer Gesellschaft: Immer mehr Verantwortung wird auf untere Gesellschaftsschichten überwälzt, während eine Übertragung von Macht nicht stattfindet. Idealtypisch ist dieser Vorgang in der Arbeitswelt zu beobachten. Die einzelnen ArbeitnehmerInnen werden aus den unterschiedlichsten Gründen mit immer mehr Verantwortung überhäuft. «Ich AG» und «Unternehmer im Unternehmen» sind die wichtigsten Begriffe dieser Veränderungen. Diese Veränderungen sind deshalb so einfach möglich, weil die dahinter liegende Argumentation auf einen wichtigen Wert westlicher Gesellschaften abzielt: Individualität. Mehr Verantwortung und Selbstständigkeit werden als notwendige Schritte auf dem Weg zum einzigartigen Individuum gedeutet. Ob dem wirklich so ist, ist zumindest hinterfragenswert.
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Die tertiäre Bildung in der Ära des New Public Management
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Seit einigen Jahren nimmt der Spardruck im öffentlichen Sektor zu. Oft gehen Budget-Kürzungen und der Ruf nach mehr Effizienz mit neuen Management-Methoden einher, die unter dem Begriff des New Public Management (NPM) zusammengefasst werden können. Dabei werden Management-Techniken aus dem privaten Sektor auf den öffentlichen Sektor übertragen, was einen Wertewandel nach sich zieht: Im Zentrum des neo-liberal inspirierten NPM steht die Effizienzsteigerung, die in der Regel dank stärkerer Konkurrenz zwischen den verschiedenen Akteuren erreicht werden soll. Dabei geraten qualitative Aspekte oftmals in den Hintergrund. Diese Tendenz betrifft auch das Bildungswesen. Der vorliegende Artikel geht daher den sozio-ökonomischen Auswirkungen der aktuellen Reformen im Bereich der tertiären Bildung nach.
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Zur Situation der Psychoanalyse an den Hochschulen und ihrer Bedeutung als kritische Gesellschaftswissenschaft
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Kritische Wissenschaften haben es angesichts der aktuellen Sparbestrebungen im Bildungsbereich schwer. Davon betroffen ist auch die Psychoanalyse. Ein Gespräch mit der Berliner Psychoanalytikerin Dr. Lilli Gast* über die Kultur des Fragens, das Verhältnis von Psychoanalyse und Gesellschaftskritik, Praxisfetischisierung, Freud und die Lust am Denken.
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Christopher Chase-Dunn über die Zukunft der Weltgesellschaft
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Weltsystem-ForscherInnen untersuchen langfristige globale Veränderungen. Sie analysieren verschiedene historische Prozesse und versuchen, diese in ihrem Zusammenspiel zu verstehen. Ein Hauptvertreter der Weltsystem-Perspektive, Christopher Chase-Dunn, wagt im folgenden Beitrag auf pointierte und erfrischende Art und Weise einige Zukunftsprognosen. Der Soziologieprofessor an der ‚University of California-Riverside’ und Direktor des ‚Institute for Research on World-Systems’ über die US-Hegemonie, den Irak-Krieg und die EU als ein mögliches Beispiel für eine zukünftige Form von Weltregierung.
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Zu Tragik und Lächerlichkeit einer Fernsehsendung
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Der Autor ist fleissiger Fernseher und amüsiert sich regelmässig mit verzogenen spaghettisaucenroten Mundwinkeln ob der telegenen Inszenierung kleinbürgerlicher Normalität. Christian Leder ist nicht verdummungsimmung, doch noch besteht Hoffnung. Zur Selbstvergewisserung macht er sich ein paar – mehr oder minder lächerliche – Gedanken.
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Der Staat im Spannungsfeld sozialer Verpflichtungen und bürgergesellschaftlicher Ideale
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„Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten!“ - „Wer bezahlt die Renten von morgen?“ - „Unser Gesundheitssystem ist zu teuer!“ – Fast täglich werden wir mit Aussagen dieser Art konfrontiert: Eine Gesellschaft, die immer reicher wird, klagt über fehlende finanzielle Mittel, um den Sozialstaat aufrecht zu erhalten, der in den letzten Jahrzehnten allen Mitgliedern der Gesellschaft eine Existenz sicherte und so einen grossen Beitrag zum Wohlstand und zum Wirtschaftswachstum leistete. Neoliberale Kreise halten für die „Krise des Sozialstaates“ bereits Lösungen bereit: Deregulierung des Arbeitsmarktes, Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich, Rückzug des Staates aus der Wirtschaft und Privatisierung, sprich Abbau des Sozialstaates. Dabei übersehen sie jedoch die überaus wichtige Rolle des Sozialstaates als Gegengewicht zu den wirtschaftlichen Kräften, wenn es darum geht, das soziale Gleichgewicht zu erhalten.
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Eine Inspektion der Zulassungskommission für den Zivildienst
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Der Zulassungsprozess für den schweizerischen Zivildienst sieht vor, dass jeder Gesuchsteller in einer persönlichen Anhörung den Gewissenskonflikt darlegen muss, der ihm das Leisten des Militärdienstes verunmöglicht. Die Glaubhaftigkeit dieses Konflikts wird von einer zivilen Zulassungskommission beurteilt. Nach welchen Kriterien aber werden diese Gewissensprüfer ausgewählt? Weshalb erhalten gerade sie die Kompetenz, auf das sittliche Empfinden der Dienstpflichtigen zugreifen zu dürfen? Ausgehend von der Analyse des Inserats, mit dem neue Kommissionsmitglieder gesucht werden, und nach Einsicht in die Dossiers der Bewerber macht der Autor des vorliegenden Beitrags verschiedene Typen von Kommissionsmitgliedern aus.
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Der neue Armutsbegriff unter der Gender-Lupe
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Die „soziale Ausgrenzung“ hat sich in der Sozial- und Entwicklungspolitik als einflussreiches Konzept etabliert. Nach seiner ‚Entdeckung’ in Europa (genauer in Frankreich) wird das Phänomen der sozialen Ausgrenzung nun in aller Welt diagnostiziert, wobei der ursprünglich westliche Diskurs auf die unterschiedlichsten nicht-westlichen Kontexte übertragen wird. Immer öfter wird in der Forschung, in der Politik und im Alltag der Begriff der Armut durch das Konzept der sozialen Ausgrenzung ersetzt. So formuliert auch die internationale Entwicklungsgemeinschaft heute ihre Strategien zur Armutsreduktion im Rahmen der sozialen Integration. Dieser Ansatz bringt jedoch Probleme mit sich, nicht zuletzt auch deshalb, weil er Gender-Aspekten zu wenig Beachtung schenkt.
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Die Konzeption der Geschlechterverhältnisse bei Jenny d’Héricourt
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Die Gleichheit der Geschlechter hat in vielen Verfassungen, in unternehmerischen Leitbildern und behördlichen Reglementen ihren Niederschlag gefunden. Das tatsächliche Handeln spricht aber bisweilen eine andere Sprache – Alltagserfahrung und zahlreiche Studien bezeugen es immer wieder. Dieser Bruch zwischen Realität und Ideal kann zuweilen frustrieren. Ein Schritt zurück ins 19. Jahrhundert verweist auf ganz andere Probleme: Jenny d’Héricourt hinterfragte die damals gängigen Geschlechtertheorien und kämpfte um eben jene, heute für (meistens) selbstverständlich gehaltene Norm der gleichen Rechte für Mann und Frau. In diesem spannenden Diskurs zeigen sich zudem Geschlechterbilder, wie sie auch heute noch das Denken vieler Menschen beeinflussen. Zeit und Gelegenheit also, die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen.
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